Abschied vom Mengenwachstum
Die mit menschlichem Leben verbundenen Stoffumsätze können nicht grenzenlos wachsen.
Die herkömmliche Art des Wirtschaftens, nämlich Rohstoffverbrauch und Abgabe von Müll
und Emissionen, steht bereits erkennbar am Ende ihrer Möglichkeiten. Doch auch die
Stoffumsätze einer Kreislaufwirtschaft sind in vieler Hinsicht vom Naturhaushalt
abhängig und lassen sich auf einer Erde, die selbst nicht wachsen kann, nicht beliebig in
die Höhe schrauben. Bereits heute beansprucht die Menschheit mehr Ressourcen, als die
Erde dauerhaft bereitstellen kann.
Nachhaltiger Fortschritt ist deshalb vor allem in Form eines Wachstums der
"inneren Werte" möglich: bessere Qualität von Waren und Dienstleistungen
steigern die Lebensqualtitat bei abnehmendem Rohstoffverbrauch und verringerter
Umweltbelastung. Dieser Wandel ist allerdings kaum zu bewältigen, wenn nicht auch eine
Kontrolle des Bevölkerungswachstums gelingt.
Qualitatives Bevölkerungswachstum
Nicht die Gesamtzahl der Bevölkerung, sondern vor allem die gut ausgebildeten
Individuen tragen zum kulturellen und wirtschaftlichen Erfolg einer Gesellschaft bei. Es
hat keinen Sinn, mehr Menschen aufwachsen zu lassen, als man ausbilden, einsetzen und
dauerhaft ernähren kann. Geburtenkontrolle wird deshalb von allen
fortschrittsorientierten Gesellschaften als ein wichtiges Entwicklungsziel betrachtet.
Doch leider reicht bloße Verteilung von Verhütungsmitteln oder Androhung von staatlichen
Zwangsmaßnahmen nicht für eine Trendumkehr zu qualitativem Bevölkerungswachstum aus.
Echte Motivation zur Einschränkung der Familiengröße entsteht, wenn dafür gesorgt
ist, dass die soziale Sicherheit nicht mehr von der Anzahl der Nachkommen abhängt, und
wenn alle Frauen selbst bestimmen können, wieviele Kinder sie bekommen. Soziale
Sicherheit und echte Gleichberechtigung der Frauen schaffen ein Klima, in dem Wunschkinder
in geringerer Zahl, aber mit besseren Bildungschancen gedeihen. Die Menschheit kann auch
ohne Massenwachstum ihren Schatz an Wissen und Können erweitern.
Qualitatives Wirtschaftswachstum
Durch wachsendes Wissen und Können der Weltbevölkerung steigt auch die Qualität von
Produkten und Dienstleistungen. Langlebige, gut gewartete und energiesparende Geräte und
Anlagen sind der Schlüssel zu weniger Rohstoffverbrauch und Emissionen. Das heute
übliche Massengeschäft mit kurzlebigen Billigprodukten wird deshalb wieder durch
langlebige Qualitätsware mit garantiertem Service abgelöst werden müssen.
Das produzierende Gewerbe kann also durch Qualitätsverbesserung die Wertschöpfung bei
sinkenden Stoffumsätzen steigern. Sollte dieser notwendige Strukturwandel Arbeitskraft
freisetzen, besteht ein riesiger Bedarf an sozialer, pädagogischer und kultureller
Dienstleistung zugunsten einer mehrheitlich armen und dzt. noch von Wissensquellen
ausgeschlossenen Weltbevölkerung.