"Bildung ist der Schlüssel zu
sozialem Aufstieg, Wohlstand
und gesellschaftlicher und kultureller Teilhabe"
Volker Kauder, MdB, 30. Nov. 2005
Eine Symbiosebeziehung zu beiderseitigem Nutzen und gemeinsamem Fortschritt erfordert Fähigkeiten, durch die jeder Partner auch die Lebensbedingungen des anderen verbessert. Wer keine Talente in die Waagschale werfen kann, hat nur die kümmerlichen Überlebenschancen eines Parasiten, der von der Hand in den Mund lebt, solange der Vorrat reicht -- dann droht der Hungertod. Doch die Biologie kennt unzählige Beispiele von Arten, die überleben, indem sie sich gegenseitig gute Dienste leisten.
Wir Menschen haben eine sehr vielseitige angeborene Grundausstattung an Wahrnehmungsmöglichkeiten. Mit Sehen und Hören und den Raumsinnen des Innenohrs orientieren wir uns perfekt in unserer Umwelt. Mit Riechen und Schmecken erforschen wir ihre chemische Zusammensetzung und dank der vielfältigen Hautsinne sind wir mit der belebten und unbelebten Materie um uns herum bestens vertraut.
Die Wahrnehmungsfähigkeit wird ergänzt von einer unvergleichlich hoch entwickelten Geschicklichkeit, insbesondere der Hände, aber auch einer faszinierenden Beherrschung des ganzen Körpers. Und ganz herausragend ist ein Intellekt, der uns hilft, diese Fähigkeiten zum Erreichen anspruchsvoller Ziele einzusetzen.
Unübersehbar sind menschliche Veranlagungen, die uns förmlich dazu drängen, symbiotische Beziehungen einzugehen. Da ist zunächst unsere unstillbare Neugierde für alles, was lebt, wächst, sich verändert. All dies beobachten wir mit großer Freude und entdecken sehr schnell, was von den Fähigkeiten anderer Lebensformen für uns nützlich sein könnte.
Schon bei Kindern beobachtet man geradezu eine Liebessehnsucht nach anderen Lebewesen. Vor allem sind es kuschelige Tiere, die in spontaner Begeisterung gehegt und gepflegt werden. Beobachten wir hier ein aus der Frühgeschichte ererbtes Muster, das den Kindern eine besondere Rolle bei der Hege der Haustiere zukommen lässt? Mit ähnlich liebevoller Hingabe pflegen wir auch unsere Gartenbeete oder wenigstens die Balkon- und Zimmerpflanzen.
Wir Menschen haben also Eigenschaften, die uns ideale Chancen auf ein erfolgreiches Dasein inmitten eines Symbiosenetzwerks erschließen. Das dies tatsächlich gelingt, ist jedoch weniger ein instinktiver Mechanismus, als vielmehr eine Errungenschaft unserer Kultur. Erst die Kulturtechnik des Säens und Erntens in ihren unzähligen Weiterentwicklungen ermöglicht uns ein menschenwürdiges Dasein. Und jeder Mensch muss dies im Lauf seines Werdegangs von Neuem lernen.
Wo dies scheitert, leben die Menschen unter der Geißel der Armut. Mit Armenspeisungen und Almosen können wir den Tod dieser Notleidenden verzögern, sie jedoch nicht aus dem Elend ihrer parasitischen Daseinsstufe herauslösen. Helfen können wir den Armen der Erde nur, indem wir ihnen die Fähigkeit zu planend vorausschauendem Umgang mit ihrer Umwelt vermitteln!
Unsere Kulturtechniken entwickeln sich stetig weiter und verbessern auch unter der schwierigen Voraussetzung knapp werdender Ressourcen die Chancen auf dauerhafte Lebensqualität für alle Menschen. Um auch problematische Randbedingungen zu meistern, sind vor allem handwerkliches Können, Kommunikationsfähigkeit und Organisationstalent vonnöten. Wissenschaftlich fundiertes Verständnis der ökologischen Rahmenbedingungen muss dazu beitragen, dass mühsam erzielte Erfolge von Dauer sind. Und es muss eine Ethik vermittelt werden, die errungene Fortschritte vor dem überall lauernden Rückschritt in parasitische Profitgier schützt.
Der entscheidende, dauerhafte Fortschritt kann nur erzielt werden, wenn alle Menschen die geschilderten Fähigkeiten zu nachhaltiger Entwicklung erwerben. Jeder muss seinen Platz im Symbiosenetzwerk des Lebens mit Sachverstand und Phantasie, mit Liebe und Konsequenz weiterentwickeln. Für den einzelnen ist dies reizvoll und befriedigend, für die Menschheit zukunftssichernd.