Die Sprache der Gesten:
Weil wir kein Fell haben, sind die Körperkonturen ganz genau wahrnehmbar
und unsere Bewegungen sprechen eine deutliche Sprache. Kleidung und Schuhe verschleiern
und verändern diese Aussage, das ist zwar kulturell gewollt, zwängt aber die
Körpersprache in vorgeprägte Bahnen. Der Schutzmann in Uniform kann vortrefflich den
Verkehr regeln und die dazu notwendige Macht ausüben. Doch menschlich und anrührend
spricht unser Körper, wenn er so ist, wie er geschaffen wurde.
FKK-Gegner kritisieren häufig, dass der Körper seine erotische Wirkung
verliert, wenn der Anblick der Nacktheit zur Gewohnheit wird. Im Prinzip trifft das auf
die im Naturismus übliche alltägliche Nacktheit durchaus zu. Doch die Körpersprache
kann, wenn es beabsichtigt ist, jederzeit ein hohes Maß an Sinnlichkeit zum Ausdruck
bringen. Genauso kann das Gegenteil ausgedrückt werden: nach vorne hängende Schultern
und an den Körper angelegte Arme sind beispielsweise Gesten, die selbst einem
ausgesprochen schönen Körper jedes erotische Flair nehmen. Es unterliegt also ganz
unserem Willen, ob der nackte Körper zur Erotik ja oder nein sagt.
In einer Liebesbeziehung gelingt es immer wieder, attraktiv und
begehrenswert zu erscheinen, auch wenn die Partnerin bzw. der Partner schon jeden
Quadratzentimeter der Haut kennt. Die Körpersprache des Alltags sendet dagegen keine
erotischen Signale, und niemand muss Angst vor Konsequenzen haben, wenn er von anderen
ganz normal nackt gesehen wird.
Aktive Körper:
Aktivität bringt den Körper natürlich viel stärker (und positiver) zur
Geltung, als das Ruhen im Liegestuhl. Ein Sportlerkörper in Bewegung wirkt attraktiv,
doch die Bewegungsabläufe der typischen Naturismussportarten wie Ballspiele, Tennis,
Surfen, Laufen beinhalten keine Gesten, die erotisch missverstanden werden können.
Problematisch sind vielleicht Sportarten wie Kunstturnen, die zum Teil vom Wecken
erotischer Illusionen leben und bewußt auf das Sex-Appeal der Bewegungen und Haltungen
abzielen. Man sollte es also niemandem verübeln, wenn er da nicht mit nackten
Darbietungen an die Öffentlichkeit treten will.
Aktivität soll normalerweise keine besondere Aufmerksamheit erregen. Wenn
man sich seines Lebens freut, beim Spazierengehen, beim Baden, beim Sandburgenbauen, beim
Bootfahren, beim Betrachten der Natur fällt man nicht besonders auf, auch wenn man nackt
ist. Die Körpersprache drückt dabei nicht mehr und nicht weniger aus, als dass alles in
Ordnung ist. Und damit ist jeder zufrieden!