Süddeutsche Zeitung vom 2. September 2010:

Nicht ganz ohne

In Cap d'Agde im Süden Frankreichs machen in der Hochsaison 40.000 Naturisten Ferien - als FKK-Anfänger unter so vielen Profis dauert es etwas, bis die Entspannung eintritt.

Zur Onlineversion des Artikels

Wer eine FKK-Anlage besucht, um eine Reportage darüber zu schreiben, reist nicht unbedingt mit Begeisterung, sondern eher als "skeptischer Teilzeitnackter" an, wie sich der Autor selbst bezeichnet. Er hat schon vorher einiges über die FKK-Bewegung gelesen, aber an Ort und Stelle plagen ihn bei seinen ersten textilfreien Gehversuchen und beim Anblick nackter Menschen in allen Situationen des Ferienalltags zunächst einmal gemischte Gefühle.

Das geht in Ordnung, denn dem Autor gelingt die Annäherung an das naturistische Leben schließlich doch recht gut. Am Strand ohne alles sein, macht ihm bald nichts mehr aus. Und anderwo im Feriencamp ist die Möglichkeit, nackt zu sein, ein Angebot, aber es besteht kein Zwang. Vor den Ferienhäusern haben nämlich auch die Nudisten Kleidung an den Wäscheleinen hängen.
 

Wer über Cap d'Agde schreibt, kommt natürlich nicht an seinem Ruf als Swingertreff vorbei. Es gibt eben auch Menschen, die FKK mit sexueller Aktivität verbinden wollen. Auch wenn diese nur einen ganz kleinen Anteil der 40 000 FKK-Touristen darstellen, welche Cap d'Agde in der Hauptsaison beherbergt, finden sich doch genügend zusammen, um ihre eigenen Nachtclubs zu haben und sich an einem außerhalb der Anlage gelegenen Strandabschnitt körperlich näher zu kommen, als es die Polizei erlaubt.

Manche Medien, besonders etliche Internetseiten, überschlagen sich geradezu bei der Berichterstattung über die Swingerszene von Cap d'Agde. Und doch ist und bleibt dies eine Randerscheinung, mit der die überwiegende Mehrheit der FKK-Urlauber nichts am Hut hat. Glücklicherweise bleibt die Süddeutsche Zeitung auf dem Boden der Tatsachen und grenzt die "hedonistische Seite des Nacktseins" deutlich von der nichtsexistischen Freikörperkultur ab, welche auch in Cap d'Agde die Regel und das Anliegen des überwiegenden Anteils der Gäste ist.

 

Zurück zur naturistischen Presseübersicht