FKK für die Füße

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Keinem Naturisten muss man erzählen, wie schön es ist, Sonne, Wind und die Kühle und Strömung des Wassers zu spüren. Damit wirklich der ganze Körper am Naturerlebnis mit allen Sinnen beteiligt ist, verzichtet man gerne auf die Abschirmung einzelner Bereiche durch Textilien. Ebenso reizvoll ist es, ohne Schuhe die vielfältige Beschaffenheit des Bodens zu spüren, Warmer Sand, feuchtes Gras, weiches Moos, krumige Erde, anhaftender Schlamm, raschelndes Laub verwöhnen unsere Sohlen mit angenehmen Eindrücken, während wurzelige, steinige und felsige Untergründe auch manchmal Belastungsproben für die nackten Füße bereithalten.

Viele Naturisten schätzen deshalb das Barfußgehen als Bereicherung ihres Erlebnisspektrums. So berichtet eine junge Frau im Forum von fkk-familie.at von ihrem ersten FKK-Erlebnis:

".......am nur noch wenig frequentierten Strand (es war September) angekommen, zogen wir uns als erstes beide komplett aus und liefen nackt ins Wasser. Dabei entdeckte ich meinen bewussten Spaß an der Nacktheit und am FKK. Barfuß am Strand zu laufen ist wohl die allerunspektakulärste Sache der Welt, aber verrückterweise entwickelte sich der Sand unter meinen Fußsohlen in diesem Moment für mich zu einem Schlüsselreiz: das Auftreten im Sand, während ich einen Fuß vor den anderen setzte, verband sich mit dem Gefühl, überhaupt nichts anzuhaben, und diese Synthese der Sinneswahrnehmungen berauschte mich förmlich! [.......] Auf den feinen puderigen Sand folgte der nasse, verfestigte Sand im Brandungsbereich, und schließlich das Wasser. Als ich bis zu den Waden im Wasser stand, und das Laufen nicht mehr möglich war, ließ ich mich nach vorne fallen, für einen Augenblick vom Meer verschlucken, und erst als ich mich wieder aufgerichtet hatte, holte ich tief Luft, und der lachende Ruf meiner Freundin: "Hey, du bist ja nackt!" erinnerte mich wieder an meine Umwelt."

So schön es ist, ganz ohne Kleidung "barfuß bis zum Hals" zu laufen – in den meisten Bereichen unseres Lebens ist Kleidung obligatorisch. Doch der Spaß am Barfußlaufen ist immer möglich. Für die wachsende Zahl der Barfußfans werden sogar spezielle Freizeitangebote geschaffen: an vielen Orten laden Barfußpfade oder Barfußparks die Jungen wie die Alten zum FKK für die Füße ein.

Seitdem 1992 in Bad Sobernheim der erste Barfußpfad Deutschlands eingerichtet wurde, wächst das Interesse an dieser naturverbundenen und gesunden Freizeitmöglichkeit von Jahr zu Jahr. Heute gibt es etwa 40 Rundwanderwege von knapp einem bis über vier Kilometer Länge, die eigens für das Barfußlaufen eingerichtet und mit phantasievollen Erlebnisstationen ausgestattet wurden. Und der Besucherzustrom ist beachtlich – einige Barfußparks geben an, über hunderttausend Besucher im Jahr zu haben. Dies ist ein Anzeichen, dass der Trend der Freizeitbedürfnisse wieder zurück zu den Wurzeln der Natürlichkeit geht.

Wenn man einen Barfußpfad besucht, findet man sich schnell inmitten fröhlicher Kinder und Leute wieder. Vor allem die kleinen Besucher laufen mit viel größerem Vergnügen als auf asphaltierten Gehwegen in der Stadt oder eintönigen Schotterpisten, die sie beim "normalen" Wandern so langweilig finden. Die gute Laune überträgt sich auf die Eltern und das "Leben auf freiem Fuß" wird zum gemeinsamen Familienspaß. Nebenbei ist das Vergnügen auch gesund: Barfußlaufen auf abwechslungsreichem Naturboden gilt als altbewährte Naturheilmethode:

Wenn beim Gehen auf naturbelassenen Pfaden der Komfort der Schuhe wegfällt, wirkt auf die Fußmuskulatur ein Trainingsreiz, der für die Ausbildung eines stabilen Fußgewölbes nötig ist. Dies verhindert den Senk- und Spreizfuß und daraus entstehende Fuß-, Knie- und Rückenschäden.
Die optimale Abrollbewegung ergibt sich beim Barfußgehen von ganz alleine und gibt der Rückenmuskulatur entscheidende Steuerimpulse zur Schonung von Wirbelgelenken und Bandscheiben. Barfußgehen ist ein idealer Ausgleich für unsere rückenschädigende sitzende Lebensweise und wird oft unmittelbar als schmerzlindernd erlebt.
Barfußlaufen verhindert Blutstau in den Beinen. Der Wadenmuskel kann seine Wirkung als Blutpumpe uneingeschränkt entfalten. Deshalb wird barfüßiges Bewegungstraining zusammen mit Kneipp‘schen Wasseranwendungen als Heilmethode gegen Venenleiden eingesetzt.
Durch Sohlenmassage und Kältereize wird die Durchblutung gesteigert und die Wärmeproduktion im ganzen Körper angeregt. Dieser "Kneipp-Effekt" schützt vor Erkältungskrankheiten und wurde früher sogar zur Behandlung von Tuberkulose genutzt – bekanntlich hat Kneipp damit sein eigenes Leiden geheilt.
Barfußgehen in der Natur findet im "Hier und Jetzt" statt und ermöglicht wohltuendes Abschalten von den Alltagsproblemen.

Also sprechen viele Gründe dafür, das Barfußgehen in das Repertoire der naturistischen Aktivitäten aufzunehmen. Vielleicht ist es schon eine ganz neue Erfahrung, wenn man auf dem Gelände, das man zwecks FKK aufsucht, alle Untergründe mit den bloßen Sohlen begeht und dabei bewusst wahrnimmt. Manche Menschen hindert eine innere Barriere, dies zu versuchen. Vielleicht hat dies mit unguten Erinnerungen an Verletzungen zu tun, an Brombeerranken oder Stechginster, an Bienen auf blühendem Klee, an rostige Nägel, Stacheldraht oder frisch gebrochenes Glas, an Seeigel oder messerscharfe Kalksteinfelsen. Auf solche Gefahren muss man natürlich achten, wenn man barfuß unterwegs ist. Doch mit etwas Aufmerksamkeit und Erfahrung kann man auch weite Strecken in der Natur barfuß erwandern.

Kein Risiko gehen hingegen die Besucher offizieller Barfußpfade ein, denn dort werden im Rahmen einer regelmäßigen Wartung alle Gefahrenmomente beseitigt. Deshalb sind diese Freizeitangebote so beliebt, und immer mehr Menschen haben Spaß daran, auf ihnen die Natur mit allen Sinnen zu erleben. Zwar gibt es auf Barfußpfaden bislang keine textilfreien Besuchszeiten, trotzdem sollten sie auch für Naturistengruppen als Ausflugsziele in Frage kommen.

Schon mit geringem Aufwand ist es möglich, sichere Bereiche für das Barfußgehen einzurichten und instandzuhalten. In den Außenbereichen vieler Schulen und Kindergärten wurden in den letzten Jahren kurze und doch abwechslungsreiche Barfußpfade angelegt, die auch in Naturistencamps, Vereinsgeländen oder Saunagärten realisiert werden könnten. Und ein ganz einfacher Einstieg in das bewusste Fühlen mit den Füßen könnte darin bestehen, beim nächsten Familienfest oder Tag der offenen Tür ein Gartenvlies auf den Rasen zu legen und einige Fühlmaterialien darauf auszubreiten. So kann, vielleicht in Verbindung mit einigen Fußgymnastikspielen, mit einfachen Mitteln eine besondere Attraktion geschaffen werden.

Wer mehr über vielfältige Aktivitäten für "Fußnaturisten" erfahren möchte, findet im Internet die Seite www.barfusspark.info als ausführliches Portal zum "Leben auf freiem Fuß". Da erfahrt man, wo man die nächstgelegenen Barfußparks besuchen kann oder wie man mit geringem Aufwand Tastpfade verwirklicht, Fußgymnastikspiele anbietet oder Barfußwanderungen organisiert. Und jeder, der einen Barfußpfad bauen möchte – sei er nun kurz oder lang – findet dafür Anleitungen und viele Gestaltungsvorschläge. Gewiss wird es in den nächsten Jahren immer wieder neue Angebote dieser Art geben. Und es wäre schön, wenn diese auch im naturistischen Bereich entstehen würden! Denn wohin sollte das hautnahe Sinnes- und Naturerlebnis beim Barfußlaufen besser passen?

Dr. Lorenz Kerscher, Penzberg

 

 

Erschienen in:
"Der Naturist", April 2007

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Naturistischer Spaziergang auf dem weiträumigen Gelände von Euronat

 

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Nur selten sind Barfußpfade so menschenleer, dass man textilfrei wandern kann.

 

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Auf den Barfußpfaden sorgen die verschiedensten Materialien für Abwechslung

 

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Fußgymnastik sorgt für Beweglichkeit

 

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